Mit Christiane Schneider (MdHBü, Linksfraktion) und Anders Kühne (Hamburger Studienbibliothek)
Es diskutieren Christiane Schneider, Parlamentarische Geschäftsführerin der Linksfraktion in der Hamburger Bürgerschaft, und Anders Kühne von der Hamburger Studienbibliothek, einem Zusammenschluss zur Aneignung und Beförderung kritischer Gesellschaftstheorie
Nicht erst die Auseinandersetzungen um die im Oktober gewaltsam verhinderte Vorführung des Films "Warum Israel" haben gezeigt: die Linke hat ein Problem, mit dem sie nicht recht fertig wird. Das Problem fängt damit an, dass man sich nicht im Entferntesten darüber einigen kann, worin es besteht: Während es für die einen in dem in der Linken vorherrschenden Antizionismus liegt, den sie als eine Erscheinungsform des Antisemitismus angreifen, behaupten die anderen, das Problem sei, dass auf diese Weise die dringend notwendige Kritik der israelischen Politik in diffamierender Absicht mit einer rechten Mordideologie identifiziert würde. Beide Seiten, so scheint es, können sich kaum miteinander verständigen - so sie es denn überhaupt noch wollen. Neben einiger notwendiger Begriffsklärung soll versucht werden, die Grenze zwischen Kritik und Ideologie in den Blick zu bekommen. Die Diskussionspartner vertreten unterschiedliche Auffassungen über den Zusammenhang der drei Worte im Titel, sind sich aber einig, dass es einen gibt
Veranstalter: Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg
Lucio Yaxon, ein junger Rapper und Aktivist zu Gast in Hamburg (Mit Übersetzung)
Im Gespräch mit dem ebenfalls aus Guatemala stammenden Politikwissenschaftler Otto Argueta berichtet Lucio Yaxon über die Gewalt in der Vergangenheit und im Heute, das Lebensgefühl der Nachkriegsgeneration und seine Musik.
Guatemala ist ein von Gewalt geprägtes Land. Der lange bewaffnete Konflikt mit seinen hunderttausenden Toten und zehntausenden Verschwundenen ist noch immer nicht aufgearbeitet. Die Täter wurden nie zur Rechenschaft gezogen, die Opfer kämpfen weiter um Gerechtigkeit.
Lucio Yaxon ist Maya. Er gehört der Generation an, die den Krieg als Kind erlebte und seine traumatischen Folgen bis heute mit sich trägt. Er kam als Jugendlicher in die Hauptstadt und engagierte sich dort bei den Jugendorganisationen HIJOS und MOJOMAYAS. Als 2005 das geheime Polizeiarchiv mit Millionen von Dokumenten aus den Zeiten des Staatsterrors gefunden wurde, begann er dort zu arbeiten. Er teilt die Hoffnung der Gesellschaft, dass sich durch die Auswertung der Dokumente Möglichkeiten ergeben, die Verantwortlichen der Gewaltverbrechen endlich vor Gericht zu stellen.
Lucio Yaxons politische und kulturelle Ausdrucksform ist der Rap. Er singt auf Kakchiquel und Spanisch und gibt seiner Generation damit eine eindrucksvolle Stimme
Veranstalter: Amnesty International
Mit Dr. Nebi Kesen (Autor)
Die Kurdenfrage in der Türkei beeinflusst zunehmend den EU-Beitrittsprozess. Die Überwindung des Kurdenkonflikts liegt nicht nur im Interesse der Kurden und Türken, sondern ist auch ein Anliegen der EU. Die Gründe für die Kurdenfrage, die Haltung der Türkei und der EU-Beitrag zur Konfliktlösung werden in diesem Buch hinterfragt und analysiert.
Veranstalter: Club der kurdischen Schriftsteller und Künstler e.V.
(Spielfilm Cuba-Deutschland 2009, R: Wolf Hermsen 113 min.)
Der Filmemacher Wolf Hermsen ist anwesend
Roberto, ein Puppenspieler aus Havanna, hat einen Traum: Er will mit seinen Marionetten auf einem Puppentheaterfestival in Norwegen auftreten. Aus dem Traum wird eine fixe Idee. In einem verfallenen Hinterhof richtet er eine geheime Probenbühne ein, in der er magische Puppenszenen einübt. Langsam beginnt seine Familie, an seiner geistigen Gesundheit zu zweifeln, als es eine faustdicke Überraschung gibt: Wird Roberts Traum doch wahr?
Mit Ines Fögen (iMiR e.V.)
In Kooperation mit dem Institut für Migrations- und Rassismusforschung
Mit Günay Aslan (Journalist)
(Veranstaltung auf türkisch)
Der bekannte kurdische Journalist Günay Aslan analysiert die letzten Entwicklungen in Kurdistan bzw. im Nahen Osten und versucht, eine Antwort auf die brennende Frage, wann in Kurdistan endlich mit Frieden zu rechnen ist, zu finden.
Veranstalter: 30. Yil Komitesi
Deutsch-türkische Beziehungen im Europa-Test
Ein Kabarett mit Musik von und mit Susanne Hartmann Olpak und Hüseyin Olpak
Bi-kultureller Alltag unter den Bedingungen der Einwanderungspolitik – Liebe ohne Grenzen oder Kulturschock? Müsli oder Simit? Börse oder Bazar? Ausweis oder Ausweisung? Was die EU-Politik für die Türkei vorgesehen hat – die sog. "Privilegierte Partnerschaft" ohne sichere Basis – erlebt ein deutsch-türkisches Ehepaar täglich am eigenen Leib.
Der Ernst der Lage ist unübersehbar, die Komik entwaffnend. Das "Programm zur Integration": für Kopfmenschen und Lebenskünstler, Deutschlerner und Antalya-Urlauber, Neubürger und Nachbarn – mit satirischen Texten, zauberhaften türkischen Chansons sowie dem traditionellen türkischen Schattentheater „Karagöz“.
Das Programm wurde im Rahmen des eigenarten festivals 2009 uraufgeführt.
Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren und heute
Mit prof. Dr. Arno Klönne, Soziologe und Politologe, Padeborn
Der Börsencrash am "Schwarzen Freitag" am 25.10.1929 gilt als Startpunkt der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts. In Deutschland brach die Industrieproduktion ein, große und kleine Firmen gingen Bankrott. Die Löhne der Arbeiter wurden massiv gekürzt, erhebliche Teile des Mittelstandes stürzten
in Armut. Die Zahl der Arbeitslosen wuchs auf knapp sechs Millionen. Neben den wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen wirkte sich die Krise auf das politische System aus. Die Gesellschaft der Weimarer Republik erfuhr eine ungeheure Polarisierung: Die radikale Linke wurde immer stärker. Zugleich profitierten aber in einem viel größeren Umfang die Nazis. Die Partei Hitlers, 1928 noch eine unbedeutende Gruppierung, stieg bis 1932 zur stärksten Kraft im Reichstag auf.
Arno Klönne wirft einen Blick zurück auf die Krise, mit der die derzeitige so oft verglichen wird. Dabei geht er auch der Frage nach, ob sich gewisse politische Entwicklungen möglicherweise wiederholen könnten.
Veranstalter: Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg
Die Modernisierung neofaschistischer Jugendkultur
Mit Christoph Schulze und Daniel Schlüter (Autoren)
Ein "Schwarzer Block", Basecaps, dunkle Kleidung und Parolen wie "Fight the system!" – die Verwirrung ist groß, seitdem vor einigen Jahren erstmals „Autonome Nationalisten“ (AN) auf Neonazi-Aufmärschen zu beobachten waren. Es handelt sich um eine Strömung in der militanten Neonaziszene, die sich diverser Symbole, Codes und Sprachformen bedient, die bisher in der Linken verortet waren.
Was hat es nun auf sich mit den AN? Haben wir es mit verkleideten Neonazis oder mit einer neuen Form extrem rechter Jugendkultur zu tun? Ist die Herausbildung der AN gewinnbringend für die extreme Rechte oder führt sie zu weiteren Konflikten? Funktioniert der Stilwandel tatsächlich reibungslos? Stellen die "Autonomen Nationalisten" eine neue Gefahr dar? Was lässt sich aus der Enteignung der Form politischer Inszenierung lernen?
Die Veranstaltung nimmt Entstehungsgeschichte, Ideologie, politische Praxis, Habitus und Selbstverständnis der AN unter die Lupe und beleuchtet ihr Verhältnis zu anderen Organisationen der extremen Rechten.
Ein Ein griechisch-türkisches Konzert
Seit langem ist Griechen und Türken bewusst, dass sich die andauernden Spannungen zwischen beiden Ländern katastrophal auswirken. Sie wollen Demokratie und Freiheit und wissen, dass die heutigen Probleme nur friedlich gelöst werden können. Aziz Özdemir, Antonis Gialelis, Bouzouki-Spieler Thanasis Nikolinas und Sängerin Elisabeth Titokis vermitteln über die Sprache des Herzens und die Kreativität der Kunst ein gegenseitiges Verständnis und versuchen eine Neubelebung der Freundschaft zwischen beiden Nationen.
Aziz Özdemir hat internationale Bühnenerfahrung in Europa und der Türkei, Antonis Gialelis spielte in Europa, Afrika, Amerika und Australien, u.a. mit Mikis Theodorakis. In der Werkstatt 3 spielen sie traditionelle Lieder und eigene Kompositionen auf zahlreichen Instrumenten wie Ud, Bağlama und Gitarre
Umwelt-, Tier- und Heimatschutz von Rechts
Mit Andreas Speit (Autor)
In der Ökologieszene fallen sie nicht immer gleich auf: Die umweltbewegten extremen Rechten. Im Bioladen kann man sich mit ihnen über die Waren austauchen. Bei Anti-AKW-Protesten über die ökologischen Auswirkung der Atompolitik und bei Aktionen gegen genmanipuliertes Saatgut über die Naturbeeinträchtigungen. In Selbstversorgungsnetzwerken sind die grünen Braunen engagiert, liefern Bio-Kisten und ökologische Baustoffe.
Seit Jahren engagiert sich die Szene von militanten Neonazis und intellektuellen Rechten für ökologische Belange, sorgt sich vermeintlich um Mensch, Umwelt und Tier. Die NPD protestiert gegen Müllverbrennungsanlagen. Kameradschaften setzen sich gegen Schächten und für eine vegane Lebensweise ein. In "Umwelt & Aktiv" warnen Autoren vor der zerstörerischen Wachstumspolitik. Aus der Neu-Rechten wird die Entfremdung des Menschen und der Raubbau an der Natur beklagt.
In der Öffentlichkeit löst dieses Engagement der extremen Rechten immer wieder Überraschung aus. Verwundert zeigen sich Bürgerinitiativen, wenn extreme Rechte sich mit einbringen. Doch Umwelt- und Tierschutz waren nie alleine fortschrittliche Themen.
Andreas Speit hinterfragt in seinem neuen Buch die ökologische Positionen von NPD über Kameradschaften bis zur Neuen Rechten. Er geht auf den völkischen Ideologiefundus ein, skizziert die Geschichte der grünen Braunen nach 1945, ihrer Vereine und Publikationen, und schildert Auseinandersetzungen in der Ökologiebewegung mit diesen unerwünschten Unterstützern.
An dem Abend werden einzelne Beispiele vorgestellt.
Mit DJ Mr. K und DJ Axel A.
Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da… New Wave, Gothic, Minimal, 80’s usw. bringen auch die ältesten Knochen zum Tanzen.
Veranstalter: Axel Aberle
Lesung mit Haydar Isik (Autor)
Der Roman spielt in der Region von Dersim, die 1937/38 als letzte kurdische Bastion vom türkischen Staat vernichtet wurde. Im Mittelpunkt des Buches steht das Mädchen Gule, das das Massaker überlebt hat und von einer türkischen Offiziersfamilie adoptiert wird.
Haydar Isik hat zahlreiche Bücher über das Leben / Schicksal der Kurden geschrieben, von denen zwei (Der Agha aus Dersim / Die Vernichtung von Dersim) ins Deutsche übersetzt wurden.
Veranstalter: Club der kurdischen Schriftsteller und Künstler e.V.
